Versuchte Verbrennung von Israel-Flagge an Rathaus

14.05.2021 Die jüdische Landesgemeinde warnt, dass der zugespitzte Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern sich auch in Thüringen auswirken könne. Ein Vorfall in Nordhausen deutet schon darauf hin.

Ein Blaulicht leuchtet an einer Polizeistreife. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Nach der versuchten Verbrennung einer Israel-Flagge am Rathaus von Nordhausen ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft. «Wir gehen von einem politischen Motiv aus», sagte eine Polizeisprecherin am Freitag. Der Staatsschutz sei eingebunden. Konkrete Hinweise auf mögliche Täter gebe es allerdings noch nicht. Drei Unbekannte hatten in der Nacht zum Freitag versucht, die Flagge in Brand zu setzen. Sie blieb heil, beschädigt wurde aber die Fassade des Rathauses. Jüdische Landesgemeinde und Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) zeigten sich erschüttert.

Es sei der erste derartige Vorfall in Thüringen seit der Eskalation des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern, sagte der Vorsitzende der Landesgemeinde, Reinhard Schramm, am Freitag. Er gehe von einem Zusammenhang zu den Vorgängen im Nahen Osten aus.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) zeigte sich erschüttert über den Vorfall und sprach von einem Brandanschlag. «Judenhass auf deutschen Straßen und vor Synagogen ist keine Israel-Kritik, sondern blanker Antisemitismus», erklärte er am Freitag. «Das ist durch nichts zu rechtfertigen. Thüringen werde Antisemitismus nicht dulden. «Brennende israelische Fahnen sind die Vorboten von brennenden Synagogen.» Schramm verwies darauf, der von ihm seit Jahren angeprangerte Israel-bezogene Antisemitismus sei die schlimmste Form des Antisemitismus, «weil er der gemeinsame Nenner aller Antisemiten ist».

Seit Tagen eskaliert der Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis im Nahen Osten. In den vergangenen Tagen waren bereits in anderen deutschen Städten Israel-Flaggen angezündet worden. Diese Vorgänge belasteten die eigentlich gute Atmosphäre in Thüringen, zu der auch das Themenjahr 2020/2021 «Neun Jahrhunderte jüdisches Leben in Thüringen» wesentlich beigetragen habe, erklärte Schramm.

In Nordhausen löschte die Feuerwehr laut Polizei brennende Stofffetzen. Anwohner hatte die Polizei verständigt, die rasch vor Ort war. Die Täter konnten unerkannt gekommen. Nach den bisherigen Ermittlungen handelt es sich um drei dunkel gekleidete, schlanke Personen. Sie sollen in Richtung Stadtmauer geflohen sein. Die Polizei bat zudem einen etwa 40-jährigen Mann, der zum Tatzeitpunkt in der Nähe war und ein wichtiger Zeuge sein könnte, sich zu melden. Sie war unter anderem mit einem Hund zur Spurensicherung vor Ort. Zeugenbefragungen liefen bis in die Mittagsstunden. Der Schaden an der Fassade wurde mit 250 Euro beziffert.

Nordhausen hat eine Städtepartnerschaft mit der Stadt Bet Shemesh in Israel. Laut Staatskanzlei wurde die Flagge zum Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland am 12. Mai 1965 gehisst. Schramm zufolge engagiert sich die Stadt «mit Herz» für die hier lebenden jüdischen Mitbürger. Sie habe nach dem Attentat im Herbst 2019 auf die Synagoge von Halle für ihre Zusammenkünfte sichere Räume eingerichtet. Der Freistaat hatte angesichts des israelisch-palästinensischen Konflikts den Schutz jüdischer Einrichtungen verstärkt.

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