Regierung und Kirche: Gemeinsamer Abschied von Corona-Toten

17.05.2021 In Thüringen soll es im Herbst eine große Abschiedsveranstaltung für während der Corona-Pandemie Gestorbene geben - auch als Ersatz für Abschiede, die es nicht geben konnte.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Gemeinsam mit Kirchenvertretern plant die Landesregierung im Herbst eine Veranstaltung, um den Opfer der Corona-Pandemie zu gedenken und um von ihnen Abschied zu nehmen. Die Veranstaltung werde all jenen gewidmet sein, die «im Rahmen des pandemischen Geschehens von uns gegangen sind», ohne dass es einen würdigen Abschied im üblichen Rahmen habe geben können, sagte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) am Montag. Zur Eindämmung der Corona-Pandemie wurden auch in Thüringen Beerdigungen, Trauerfeiern und Gottesdienste mit Auflagen versehen, so dass diese oft nur mit wenigen Menschen erlaubt sind.

Zuvor hatten sich Ramelow und einige seiner Ministerinnen und Minister mit Vertretern der evangelischen und römisch-katholischen Kirchen in Thüringen zum traditionellen Jahresgespräch zusammen geschaltet. Der Bischof des katholischen Bistums Erfurt, Ulrich Neymeyr, sagte, das thüringenweite Gedenken werde für Herbst angepeilt. Es sei aber noch nicht alles konkret geplant. Auch Gottesdienste solle es geben. Da aber die Mehrheit der Menschen in Thüringen keiner Religion angehörte, gehe es vor allem auch um ein gemeinsames Abschiednehmen.

Thüringen hatte sich im April auch an einer bundesweiten Gedenkaktion für Menschen beteiligt, die im Zusammenhang mit der Pandemie gestorben waren.

Neymeyr berichtete auch, dass das Bistum sich mit einem Neubau eines Kindergartens in Erfurt auch speziell an die jüdische Bevölkerung richten wolle. Das Konzept für die Einrichtung in katholischer Trägerschaft solle so aussehen, dass eine Gruppe jüdische Kinder dort idealerweise von einem jüdischen Erzieher oder einer jüdischen Erzieherin im guten Dialog mit den anderen Kindern gemäß ihrer Religion betreut werden könne. «Das führt vielleicht auch dazu, dass es junge jüdische Familien nach Erfurt zieht», sagte Neymeyr.

«Gerade jetzt ist es wichtig zu zeigen, dass wir froh sind, dass es Juden in Deutschland und Thüringen gibt», sagte Neymeyr mit Blick auf den sich zuspitzenden Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern im Nahen Osten. Nach der Eskalation dort war es in den vergangenen Tagen in ganz Deutschland vermehrt zu anti-israelischen und antisemitischen Vorfällen gekommen - in Nordhausen war versucht worden, eine Israel-Flagge am Rathaus zu verbrennen. Auch Ramelow verurteilte die Ausschreitungen.

Der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Friedrich Kramer, betonte, dass es auch Aufgabe der Kirche in der Pandemie sei, Verschwörungserzählungen deutlich zu widersprechen. Denn diese seien stark mit Judenfeindlichkeit verbunden. «Der Aberglaube nimmt zu», sagte Kramer. Sowohl die EKM als auch das Bistum sind der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen eng verbunden. Gemeinsam haben sie auch das noch laufende Themenjahr «900 Jahre jüdisches Leben in Thüringen» auf den Weg gebracht.

Die EKM hat rund 677 000 Mitglieder überwiegend in Thüringen und Sachsen-Anhalt. Im Bistum Erfurt leben etwa 140 000 Katholiken. Thüringen hat insgesamt rund 2,1 Millionen Einwohner. Kleine Teile des Freistaats gehören aber auch zu Einzugsgebieten anderer christlicher Kirchen: das Bistum Fulda, das Bistum Dresden-Meißen, sowie die Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und die Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News