Viele Thüringer wollen zweite Corona-Spritze früher

20.05.2021 Muss sich der Sommerurlaub 2021 nach der Corona-Impfung richten oder der Zeitplan der Impfung nach den Urlaubsplänen? Mit dieser Frage sieht sich derzeit so manche Impfstelle konfrontiert.

Ein Arzt impft einen Mann in einem Impfzentrum gegen Corona. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Impfzentren, Impfstellen und Hausarztpraxen in Thüringen sehen sich zunehmend mit der Ungeduld von Menschen konfrontiert, die vollständig gegen Covid-19 geimpft in den Sommerurlaub fahren wollen. Für etwa 1000 bereits vereinbarte Zweittermine in Impfzentren und -stellen gebe es aktuell den Wunsch, sie vorzuziehen, sagte Jörg Mertz, Leiter des Pandemiestabs bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), der Deutschen Presse-Agentur. Meistens werde Urlaub als Grund angegeben - und meistens seien es Menschen über 60 Jahre, die diesen Wunsch äußerten. Dabei gehe es fast immer um Impfungen mit dem Mittel von Astrazeneca.

«Es kommt auch immer öfter vor, dass Menschen beim Folgetermin einer Astrazeneca-Impfung einfach so wegbleiben», ergänzte er. «Teilweise auch, weil sie beim Hausarzt schneller an die Reihe kommen.» Hintergrund ist der von manchen Menschen als zu lang empfundene Zeitraum von 12 Wochen zwischen zwei Astrazeneca-Impfungen. Dieser sei in den Impfempfehlungen festgelegt worden, weil damit der beste Schutz vor einer Covid-19-Erkrankung erzielt werde, sagte Mertz.

Auch der Vorsitzende des Thüringer Hausärzteverbandes, Ulf Zitterbart, beobachtet einen zuweilen fordernder werdenden Ton bei Impfwilligen. «Meistens sind die Patienten aber noch geduldig», sagte er. Die Zweitimpfung sei für sie schließlich garantiert. «Aber eben nicht nach Wunschtermin.»

Die Verschiebung bereits eingetakteter Zweittermine sei mit einem massiven Aufwand verbunden, sagte Mertz. «Das werden wir nicht bei allen schaffen.» Andererseits handele es sich bei der Impfung um ein Angebot: «Das kann man annehmen oder man lässt es.» Das Gros der Astrazeneca-Impfungen in den zentralen Anlaufstellen solle ohnehin bis Mitte Juni erledigt sein. Für Juni habe Thüringen keinen weiteren Astrazeneca-Impfstoff bestellt. Beim Vakzin von Biontech/Pfizer, bei dem sechs Wochen zwischen den zwei Spritzen liegen, werden laut KV derzeit keine Probleme mit der Verschiebung von Terminen beobachtet.

In Thüringen hatten bis zum Donnerstag 35,5 Prozent der Bevölkerung ihre Erstimpfung und 16,1 Prozent die Zweitimpfung erhalten, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Das sind rund 757 000 beziehungsweise 344 000 Menschen. Seit dem Vortag kamen fast 25 000 weitere Impfungen hinzu.

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