Wohnungswirtschaft will Finanzspritze für Investitionen

02.06.2021 Kommunale und genossenschaftliche Wohnungsunternehmen sind die größten Vermieter in Thüringen. In den kommenden Jahren sollen viele Wohnungen neugebaut und modernisiert werden. Das würde die Mieten steigen lassen - wenn das Land nicht hilft.

Euro-Geldscheine liegen auf einem Tisch. Foto: Bernd Wüstneck/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Thüringens Wohnungswirtschaft will ihre Investitionen in Neubau und Modernisierung verdreifachen und erwartet dafür mehr finanzielle Unterstützung vom Land. «Es ist eine gezielte Förderung nötig, um extremen Mietsteigerungen vorzubeugen», sagte der Geschäftsführer des Verbandes der Thüringer Wohnungswirtschaft, Frank Emrich, am Mittwoch in Erfurt. Verlangt werde, dass das Land seine Wohnraumförderung von 50 Millionen Euro in diesem Jahr ebenfalls verdreifacht - auf 150 Millionen Euro jährlich.

Damit könne sichergestellt werden, dass die 1000 bis 1500 Sozialwohnungen, die jährlich aus der Mietpreisbindung fielen, ersetzt werden. «Das Land würde mit der Förderung langfristig bezahlbare Wohnungen sichern.» Nach Schätzung von Emrich gibt es in Thüringen etwa 17 000 Sozialwohnungen mit Belegungs- und Mietpreisbindung, die jedoch nach einem Zeitraum von 15 bis 20 entfalle.

Die im Verband vertretenen kommunalen und genossenschaftlichen Unternehmen verwalten nach Angaben von Emrich rund 264 000 Wohnungen. Sie seien die größten Vermieter im Freistaat. In diesem Jahr seien Investitionen von 550 Millionen Euro in Instandhaltung und Neubau geplant. Das sind etwa 100 Millionen Euro mehr als 2020, als einige Projekte coronabedingt nicht umgesetzt werden konnten.

Die durchschnittliche Kaltmiete betrage derzeit 5,17 Euro pro Quadratmeter in den Wohnungen der Verbandsunternehmen. Die durchschnittliche Mietpreiserhöhung pro Jahr habe in den vergangenen zehn Jahren bei 1,5 Prozent gelegen. «Das ist bezahlbar, aber betriebswirtschaftlich auf Kante genähnt», so der Verbandschef. Daraus finanziert würden nicht nur Unterhaltskosten und Investitionen, sondern auch bestimmte Sozialleistungen. «Die Wohnungsunternehmen haben auch in Sozialarbeit in den Quartieren investiert.» Zudem zeichne sich ab, dass die Baukosten - auch wegen der aktuellen Materialknappheit - weiter steigen.

Nach Angaben von Emrich betragen die Mietnebenkosten im Schnitt 2,30 Euro pro Quadratmeter und Monat. «Das macht rund ein Drittel des Gesamtmietpreises aus.» Ein Teil der Kosten seien durch politische Entscheidungen beeinflusst. Kritisch äußerte sich der Verbandsgeschäftsführer zu Plänen, die CO2-Umlage für Heizung je zur Hälfte über Mieter und Vermieter zu finanzieren.

Das würde bei typischen Wohnungsunternehmen in Thüringen mit im Schnitt 1000 Wohnungen zu jährlichen Mehrkosten von etwa 175 000 Euro führen. Der Verband habe vorgeschlagen, den Anteil des Mieters davon abhängig zu machen, ob der Vermieter bei der energetischen Sanierung der Wohnungen seine Hausaufgaben gemacht habe. Damit würden auch Anreize geschaffen, Heizungen zu modernisieren und Wärmedämmung zu verbessern.

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