DFB geht in Gespräche mit Flick und FC Bayern

27.04.2021 Jetzt drückt auch der DFB aufs Tempo. Der in München scheidende Hansi Flick ist Favorit auf die Nachfolge von Bundestrainer Joachim Löw, der nach der EM aufhört. Gespräche sollen nun beginnen. Die neue Zuspitzung der DFB-Krise könnte die Verhandlungen verzögern.

Genießt beim DFB eine große Wertschätzung und ist ein hervorragender Kandidat als Bundestrainer: Hansi Flick. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Jetzt kann es auch bei der Bundestrainersuche mit Hansi Flick ganz schnell gehen. Nur wenige Stunden nach dem bestätigten Trainerwechsel beim FC Bayern kündigte der Deutsche Fußball-Bund Gespräche mit Flick und dem deutschen Rekordmeister an.

«Es ist bekannt, dass Hansi Flick beim DFB eine große Wertschätzung genießt und ein hervorragender Kandidat als Bundestrainer ist. Wir können bestätigen, dass wir vor diesem Hintergrund nun auch Gespräche mit Hansi Flick und den Verantwortlichen des FC Bayern führen werden», teilte der Verband auf dpa-Anfrage mit.

Mit der Vertragsauflösung in München ist der Wunschkandidat für die Löw-Nachfolge frei für eine Rückkehr zum Deutschen Fußball-Bund. Der FC Bayern will offenbar vom DFB und Flick dennoch eine Gegenleistung, sollte der 56-Jährige die deutsche Fußball-Nationalmannschaft übernehmen. Löw beendet nach der Europameisterschaft im Sommer seine Arbeit beim DFB-Team.

Nationalmannschafts-Direktor Oliver Bierhoff hatte zuvor aktive Gespräche noch ausgeschlossen, solange Flick in einem laufenden Vertragsverhältnis ist. Die Situation hat sich nun geändert. Den Flick-Posten in München übernimmt im Sommer Julian Nagelsmann, der von RB Leipzig zum FC Bayern kommt.

Schon im April nach dem Champions-League-Viertelfinal-Aus bei Paris Saint-Germain hatte Flick bei den Bayern-Bossen um Freigabe zum Saisonende gebeten. Anschließend philosophierte er über die andere Rolle des Bundestrainers, was öffentlich als Interesse an der Löw-Nachfolge gewertet wurde. «Natürlich ist der DFB eine Option, die jeder Trainer überlegen muss», sagte Flick.

Der gebürtige Heidelberger würde nach sieben Jahren zur Nationalmannschaft zurückkehren. 2006 hatte ihn Löw nach dem WM-Sommermärchen und der eigenen Beförderung zum Bundestrainer zu seinem Assistenten gemacht. Höhepunkt der gemeinsamen Arbeit war der WM-Triumph 2014 in Brasilien, Flick wurde intern im DFB ein großer Anteil am Titelgewinn zugesprochen.

Löws Co-Trainer stieg zum Sportdirektor auf, verließ aber 2017 den Verband. Nach kurzer Zeit als Geschäftsführer bei der TSG Hoffenheim kam er im Sommer 2019 als Co-Trainer von Niko Kovac zum FC Bayern, wurde dann Interims- und schließlich Cheftrainer mit einer sensationellen Erfolgsgeschichte.

«Wir bitten um Verständnis, dass wir uns zum weiteren Verfahren, das wir in aller Sorgfalt und Ruhe zunächst mit allen Beteiligten intern abstimmen, aktuell nicht weiter äußern werden», heißt es in der Mitteilung des DFB an die Deutsche Presse-Agentur weiter.

Abzuwarten bleibt, inwieweit die Situation im DFB die Verhandlungen und einen Vertragsabschluss mit Flick beeinflussen oder verzögern können. Nach den jüngsten Äußerungen von Präsident Fritz Keller, der Medienberichten zufolge bei einer Präsidiumssitzung Vize-Präsident Rainer Koch mit Nazi-Richter Roland Freisler verglichen hatte, hat sich die Führungskrise im Verband jedoch verschärft.

Keller hat für die Entgleisungen um Entschuldigung gebeten und einen Rücktritt ausgeschlossen. Die kritischen Stimmen nehmen zu, das Präsidium des Bayerischen Fußball-Verbandes zeigte sich «entsetzt» über die «neuerliche Eskalation», die Keller ausgelöst habe.

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