16-Jährige Menje «Superstar» der Para-EM - Mester holt Gold

05.06.2021 Am Schlusstag der Para-EM holten die deutschen Leichtathleten noch zwei Goldmedaillen. Bei beiden Siegern ist die Paralympics-Teilnahme aber offen. Doch die 16 Jahre alte Merle Menje war völlig überraschend zu einer prägenden Athletin dieser EM geworden.

Speerwerfer Mathias Mester jubelt über seine Goldmedaille. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Bei Merle Menje griff das Internationale Paralympischen Komitees (IPC) nach allen Superlativen. Der Reporter des Livestreams bezeichnete die 16-Jährige als «Superstar der EM», später betitelte das IPC sie als «German Wunderkind».

Mit ihrem Gold-Rennen über 5000 Meter hatte die Rennrollstuhl-Fahrerin aus Singen ihrer Leistung bei der Para-EM der Leichtathleten im polnischen Bydgoszcz die Krone aufgesetzt. 

Ebenfalls Gold holte am Schluss-Abend Speerwerfer Mathias Mester (Kaiserslautern). Das nur 16 Athleten große Aufgebot des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) beendete die EM somit mit 16 Medaillen: Fünf goldenen, fünf silbernen und sechs bronzenen.

Die vier von Menje bei fünf Starts waren überhaupt nicht eingeplant. Eigentlich wollte die Teenagerin gar nicht bei den Paralympics Ende August in Tokio starten, sondern frühestens im Skilanglauf bei den Winterspielen 2022 in Peking. Nun denkt sie vielleicht um. Der Fokus im Bahn-Sprint liege eigentlich auf 2024, sagte sie: «Aber klar würde mich Tokio reizen. So ein Ergebnis bei der EM habe ich nie erwartet.»

Der Sieg über die zwölfeinhalb Stadionrunden mit der besten je bei einer EM gefahrenen Zeit (11:52,30 Minuten) sei dabei «die größte Überraschung». Zuvor hatte Menje bei ihrem internationalen Debüt Gold über 400 Meter und Silber über 100 sowie 800 Meter gewonnen.

Mester holte im Speerwerfen bereits seinen elften internationalen Titel, nach sieben WM-Triumphen das vierte EM-Gold. Allerdings hat der kleinwüchsige Speerwerfer noch nicht die Norm für die Paralympics. «Das wird ein schwerer Kampf für mich, weil die Norm so schwer ist wie noch nie», sagte der 34-Jährige, der nach den Paralympics seine Karriere beenden wird: «Aber ich will unbedingt nach Tokio und gebe nicht auf».

Bitter verlief das 1500-Meter-Rennen für Felix Krüsemann aus Stahnsdorf. Beim Kampf um Platz drei wurde er abgedrängt, stieß zurück und wurde disqualifiziert. Der DBS legte Protest ein. Der sehbehinderte Marcel Böttger verpasste mit dem mehrfachen deutschen Meister Alexander Kosenkow als Begleitläufer über 100 Meter Bronze mit 11,10 Sekunden um vier Hundertstelsekunden.

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