Deutsche keine Hauptdarsteller: «Rückschlüsse ziehen»

23.05.2021 Bei der Schwimm-EM setzen international bekannte Dauersieger, ein Russe mit zwei Weltrekorden und eine 16 Jahre junge Italienerin die Glanzlichter. Deutschland tritt mit einem Perspektivteam und nur zwei Olympia-Startern an. Einer der beiden hat vor Tokio noch viel zu tun.

Lucas Matzerath schwamm im EM-Finale über 50 Meter zu persönlicher Bestzeit und erreichte den geteilten fünften Platz. Foto: Jo Kleindl/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Zwei Monate vor Olympia haben die deutschen Schwimmer bei den Europameisterschaften in Budapest erwartungsgemäß keine große Rolle gespielt und nicht in den Kampf um die Medaillen eingreifen können.

Die großen Glanzmomente in der Duna Arena lieferten andere Nationen. «Wir können mit dem ein oder anderen Ergebnis sicherlich nicht zufrieden sein und müssen die richtigen Rückschlüsse daraus ziehen», sagte Bundestrainer Hannes Vitense. «Wir können aber auch sehen, dass viele gute Leistungen von den jungen Athletinnen und Athleten gezeigt worden sind.»

Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) war mit einem recht unerfahrenen Team nach Ungarn gereist. Zum Abschluss belegte die 4x100-Meter-Lagen-Staffel der Männer am Sonntag den achten Platz.

OLYMPIA-TEST: Nur zwei der 27 deutschen Schwimmer, die für die olympischen Beckenwettbewerbe in Tokio nominiert sind, waren in der Halle an der Donau dabei. Youngster Lucas Matzerath schwamm bei seinem EM-Debüt persönliche Bestzeiten, belegte über 50 Meter Brust Rang fünf und sammelte reichlich Selbstvertrauen für seine Olympia-Premiere. «Ich gehöre dazu zu den Großen jetzt», sagte der 21-Jährige.

Für Marco Koch lief es dagegen enttäuschend. Der Weltmeister von 2015 über 200 Meter Brust schied auf seiner Paradestrecke in 2:10,03 Minuten bereits im Halbfinale aus und wusste anschließend nicht, warum es schlechter lief als erhofft. Der 31-Jährige hat vor seinen dritten Olympischen Spielen noch viel zu tun. «Natürlich wollen Routiniers wie Marco Koch anders abschneiden», sagte Vitense.

WICHTIGE ERFAHRUNG: Nicht nur für Matzerath war es in Ungarn die erste Großveranstaltung. Insgesamt zehn deutsche Schwimmerinnen und Schwimmer präsentierten sich erstmals auf der großen Bühne. Die 17-jährige Zoe Vogelmann aus Heidelberg schwamm über 400 Meter Lagen auf den siebten Platz. Die sieben Jahre ältere Essenerin Kathrin Demler wurde Siebte über 200 Meter Schmetterling.

Julia Mrozinski (21), für die als WM-Starterin das international starke Starterfeld nichts ganz Neues mehr war, belegte über 200 Meter Freistil Rang acht. Insgesamt stehen für den DSV nach einer Becken-Woche vier Finalplätze in Einzelwettbewerben und ein Endlauf mit der Staffel zu Buche.

INTERNATIONALE AUSRUFEZEICHEN: Anders als Deutschland nutzten viele andere Nationen die EM als Formcheck und Qualifikation für die Sommerspiele. Ob Brustschwimm-Ass Adam Peaty aus Großbritannien, Ungarns Schwimm-Star Katinka Hosszu oder Freistil-Spezialistin Simona Quadarella aus Italien: Die Top-Athleten boten eine große Show und sammelten Goldmedaillen. Der Russe Kliment Kolesnikow verbesserte den Weltrekord über 50 Meter Rücken gleich zweimal. Die erst 16 Jahre alte Italienerin Benedetta Pilato erstaunte die Schwimmwelt mit einer neuen Bestmarke über 50 Meter Brust. Sie unterbot den Weltrekord der US-Amerikanerin Lilly King in 29,30 Sekunden am Samstag um eine Zehntelsekunde.

STARKE SPRINGER UND FREIWASSER-ASSE: In der ersten EM-Woche hatten auch die deutschen Wassersportler mit internationalen Spitzenleistungen und Edelmetall geglänzt. Die Freiwasserschwimmer und Wasserspringer konnten sich über fünfmal Gold und insgesamt elf Medaillen freuen. Die Leistungen von Doppel-Weltmeister Florian Wellbrock, der im Lupa-See Bronze über zehn Kilometer und Silber mit der Mannschaft holte, machten Lust auf Olympia. Das Team um Rekordeuropameister Patrick Hausding zeigte mit acht Medaillen, dass mit den deutschen Wasserspringern auch in Japan zu rechnen ist.

SO GEHT ES WEITER: In zwei Wochen stehen für die Schwimmer die deutschen Meisterschaften in Berlin an. Voraussichtlich werden auch einige Olympia-Teilnehmer die Wettkämpfe als weitere Formüberprüfung nutzen. Die Rennen werden im Rahmen der Finals 2021 ausgetragen - genau wie die nationalen Titelkämpfe der Wasserspringer. Beim Team von Bundestrainer Lutz Buschkow geht es dann auch darum, wer die Startplätze bei den Olympischen Spielen einnimmt.

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