Orgien, später!

15.01.2021 Der Winter ist keine Zeit, um große Pläne zu schmieden. Verkriechen wir uns also weiter und träumen ein bisschen: von sommerlichen Gelagen.

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Beim Rumdaddeln am Laptop finde ich rund zehn Jahre alte Notizen, damals offensichtlich locker aus dem Handgelenk geschüttelt: „Tarotsüchtige, Engelskarten legende Frau schläft mit ihrem Chakra-Meister, aber nur weil er sagt, dass die Engel das so wollen und sie glaubt es und kriegt erst später raus, dass das gar nicht stimmt.“ Brillant! Fast noch besser: “Sexsüchtige Frau arbeitet während des Studiums heimlich als Domina und wird dabei ichweißnichtwas, auf jeden Fall fies von ihrem Zahnarzt und alles drin und dran.“ Ich erinnere, dass ich plante, im Kielwasser von 'Shades of Grey' reich und berühmt zu werden. Keine Ahnung, was mir dazwischenkam.

Nichts jedenfalls soll meine ‚nach Corona-Sommerorgie‘ verhindern. Die Vorbereitungen schreiten allerdings nur langsam voran. Erstens soll man im Winter keine Pläne schmieden. Zweitens ist alles recht verzwackt, jede Menge Fragen müssen im Vorwege geklärt werden. Zu allererst: die Auswahl der Gäste. Komplizierte Geschichte. Natürlich rufen all meine Freund*innen und Bekannten „hurra!“, wenn sie von der Orgie hören. Die meisten von ihnen rufen deshalb „hurra“, weil sie noch nie in ihrem Leben auf einer Orgie waren. Das ist ein Problem, denn wer in meinem Alter noch ohne Orgien-Erfahrung ist, hatte gute Gründe – zum Beispiel mangelnde Hemmungslosigkeit. Mehr Probleme: Was ist mit Paaren, die ich mag, bei denen aber nur eine*r von beiden orgiengeeignet ist? Muss überhaupt die ganze Geschichte heimlich vor sich gehen, damit niemand Nichteingeladenes sich beleidigt fühlt? Starte ich vielleicht besser mit einer kleinen, verschwiegenen Orgie, nicht mehr als 10 bunt zusammengewürfelte, liederliche, triebhafte Menschen? Nächste Frage: Kenne ich 10 liederliche, triebhafte Menschen?

Definitiv ein Kandidat ist der Lokführer, an den ich mich gerade virtuell herantaste. Er ist zwar schweigsam (was bei einer Orgie kein Problem sein sollte), aber in jeder Hinsicht verspielt. Zwischen den Jahren vergnügt er sich mit seiner Eisenbahn zuhause. Die Schienen durchkreuzen das ganze Wohnzimmer. Das ist unpraktisch fürs normale Wohnzimmerleben, deshalb baut der Lokführer Anfang Januar alles wieder ab. Vorher filmt er es noch, damit er das Jahr über nach Feierabend seine Freude hat. Aber sinnfreie, bekloppte Dinge tun ist ja insgesamt wieder im Kommen. Ich selber sammele Zitate aus Actionfilmen. Mein aktuell schönstes, aus ‚Aquaman‘: „Du hast Unschuldige getötet! Bitte die See um Gnade!“

© Nele Nielsen

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