Oben ohne! Oben mit!

26.02.2021 Irre Sachen funktionieren sehr gut, wenn man das Hirn abschaltet. In anderen Fällen gilt: ein klein wenig Denken hilft.

© picture alliance / dpa / VisualEyze | Daniel Reiter

Ich bin nicht gerne Nachzüglerin, aber was sein muss, muss sein: Gestern war ich endlich draußen baden. Es war milde und die Aktion von daher eher nur halb cool. Als es noch eisig war, konnte ich allerdings nicht baden gehen, weil ich auf dem Schaffell vor dem Ofen liegen musste. Am Fluss spazierten Menschenmassen. Ohje, dachte ich, jetzt werden die Leute Sachen denken, die mir nicht gefallen. „Naja,“ werden sie denken, „die Frau hat gewartet, bis es pipiwarm wird, weil sie sich nicht traute, als es noch richtig kalt war.“

Ich war mit einer Freundin unterwegs, wir entkleideten uns rasend schnell, in der Eile vergaßen wir sogar, die Bäuche einzuziehen. Das Wasser war sagenhaft kalt, das Hirn schaltete auf der Stelle aus. Weiter erinnere ich nichts. Spektakulär wurde es erst zurück am Ufer, die Freundin und ich waren komplett high, das Publikum schwenkte Fähnchen und schoss Feuerwerksraketen ab. Wahnsinnserleuchtung: Wir sind die Tollsten der Welt! Und: sich zu überwinden ist total einfach, solange man nicht nachdenkt. Das gilt für alle Sachen im Leben. Gut, dass wir das zwar spät, aber immerhin doch noch rausgefunden haben.

Noch eine Erkenntnis, die mit Denken zu tun hat: In den letzten Monaten habe ich oft gedacht „was tun, mit all diesen Menschen mit schön viel Meinung und so wenig Ahnung?“ Ich weiß es immer noch nicht, aber ich habe gelernt, was hinter vielen verdrehten Ansichten steckt - es ist der „Dunning-Kruger-Effekt“. Hochkomplizierte, wissenschaftliche Geschichte, ich mach‘s mal ganz einfach: Flitzpiepen überschätzen gerne Ihr Wissen und Können. „Ahnungslos, ohne es zu wissen,“ sagen die Forscher, „wenn man inkompetent ist, kann man nicht wissen, dass man inkompetent ist.“ Aber, so die Experten: selbst ausgeprägte Knallchargen können dazulernen, sie müssen nur üben, üben, üben.

Üben, üben, üben, müssen wir jetzt ja überhaupt alle. Damit wir nicht vergessen, was es alles noch zu tun gibt, außer sich wie ein Stein zu verhalten. Gute Manöver, bei denen man prima Abstand halten kann: auf Bäume klettern, im Dunkeln draußen Verstecken spielen, sich mit einer einzelnen Person seiner Wahl nachts hinter den Büschen möglichst stilvoll betrinken oder Schnitzeljagd mit Fassbrause. Danach dann wieder Kuschelkissentag.

© Nele Nielsen

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