Feuchte Geschichte

04.06.2021 Jetzt, Dudes und Dudesses, gibt es nichts mehr zu tun, außer ans Wasser zu fahren, hineinzuspringen und sich später beim Umkleiden lässig zu verhalten.

Nicht ohne mein Handtuch! © picture alliance / dpa / VisualEyze | Jan Mammey

Heißassa, der Sommer ist da! Sprechen wir übers Nackig sein im Freien. Ich bin viel auf dem Land, jeden Sommer, und schwimme in Seen und Flüssen. Im Osten wird, wo nicht gerade Rummel herrscht, nackt geschwommen. Man könnte allerlei Körper betrachten und sich mit ihnen vergleichen, aber niemand dort tut das, man konzentriert sich darauf, eine lässige Zeit zu haben. Im Westen trage ich Badekleidung, so wie alle, nach dem Schwimmen wechsele ich sie und veranstalte dabei kein übermäßig keusches Gedöns. Irgendwann vor langer Zeit habe ich bemerkt, dass es mir völlig schnurz ist, ob Andere beim Umkleiden einen Blick auf meine Boobies oder sonstige Körperregionen erhascht. Am Ufer schicke ich Fotos nach Amerika, mein Bruder lebt dort. Er lacht über die Bilder, genauer gesagt über meinen Bikini, der über einem Ast trocknet. „Hahaha!“, schreibt er, „woran erkennt man Deutsche in Amerika? Sie ziehen sich nach dem Schwimmen unter einem Handtuch was Trockenes an.“ Er selber hat sich an die US-Sitten angepasst und sitzt stoisch in triefender Hose am Strand. Alle dort tun das, egal wie kühl es ist, sie fahren auch nasser Badekleidung nach Hause. Schon zweijährige Mädchen tragen Bikini und grooven sich in ihre erste Blasenentzündung ein. Oft gibt es auch eine Strandpolizei, sie achtet darauf, dass niemand einen nackten Hintern oder Schlimmeres zu sehen bekommt. Mehr Interessantes: Jeder Mensch in Amerika besitzt einen klappbaren Strandstuhl, auch die Kinder, der Strand ist voller sitzender Leute in feuchten Klamotten. Wer auf einer Decke liegt, gilt als sonderbarer Steinzeitmensch. „Warum liegen, wenn man auch sitzen kann?“, fragt mein Bruder. Hm, zurückgefragt: warum stundenlang aufrecht in einem gar nicht mal so bequemen Stühlchen hocken, wenn man auf einer Decke im weichen Sand schlummern kann?

Weil Zeit für etwas Süßes auf dem Handtuch neben mir ist, habe ich mir aus der Partnerbörsen-Tüte einen neuen Verehrer gefischt. Alles begann hoffnungsvoll, aber nach einigen netten Nachrichten lud der Hübsche mich dann zum Segeln ein, er hat ein Boot. Herrjeh! Was ist das für eine schlimme Mode mit diesem Rumgesegle überall? Was kann ich antworten? „Danke, aber nein danke, Kapitän. Mir wird schon beim Busfahren übel. Hätte Gott gewollt, dass ich auf dem Wasser treibe, hätte er eine Boje aus mir gemacht.“

Und nun, liebe Urlaubssehnsüchtige, raus an den See, wer dort unbedingt Bötchen fahren will, soll es natürlich mit Freuden tun. Ich winke vom Ufer mit einer kalten Flasche Cremant.

© Nele Nielsen

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