Tolles Leben!

18.06.2021 Geld, pfft! Draußen mit Anderen einfach so rumsitzen, ist der neue Reichtum. Klasse Sachen passieren auch: in der Feenwelt und im Planschbecken.

Zum Mittsommerfest werden sieben verschiedene Blumen gesammelt. © picture alliance / dpa / Lehtikuva Kaisa Siren

Draußen sieht es zurzeit aus, wie ein Töpfchen überkochende Milch. Die Leute quellen aus ihren Wohnungen hervor, hinaus an die Sonne, ins Freibad oder an Restaurant- und Biergartentische. Dort bestaunt man sich und die Anderen, man sieht, wie jedermann denkt „wow! Irre! Einfach so gemeinsam rumsitzen!“ Lasst uns bitte ab und an aufspringen und La-Ola-Wellen machen.

Fast alles ist wieder möglich, sogar, fremde Menschen kennenzulernen. Dafür ist jetzt ohnehin die beste Zeit. In den 12 Tagen um den 21.Juni herum sollen wir tanzen und feiern, sagen unsere Ahnen, und in der Mittsommernacht selbst sieben verschiedene Blümchen zusammensuchen. Nach jeder Blume bitteschön über einen Zaun oder ein anderes Hindernis springen, so sind die Regeln. Dann wird das Sträußchen unters Kopfkissen gepackt und in der Nacht erblickt man seine nächste große Liebe. Tolle Sache, aber natürlich gibt es auch in der Feen-Welt behördliche Vorschriften: während des Pflückens und bis zum nächsten Morgen darf kein Wort gesprochen und nicht gelacht werden. Puh! Der Schamane empfiehlt außerdem, in dieser Nacht nur ein Röckchen aus Kräuterbüscheln um den nackten Leib zu tragen.

Was brauchen wir neben Liebe und einem kühlen Schampus im Kühlschrank noch? In meiner Post war die Einladung einer Presse-Agentur. Ob ich nicht bitte an einer Recherche-Reise in ein Fünf-Sterne-Resort auf den Malediven teilnehmen möchte? Anreise mit dem Wasserflugzeug, türkisblaue See, Tauchen mit freundlichen Haien, Spa-Behandlungen, na, das Übliche eben. Etwa eine Minute lang bedauerte ich es, nicht für den Millionärs-Boten oder den Reiche Leute-Kurier zu schreiben. Überhaupt: Wann und warum genau hatte ich verpasst, den Abzweig zu nehmen, auf dem ich massig Schotter hätte schaufeln können? Dann stellte ich mir vor, ich sei eine reiche Unternehmerin und wache auf und muss losmachen mit all den Bediensteten und tausend Terminen. „Man muss sich entscheiden, ob man Fisch, Fleisch, Vogel oder ein Räucherfisch sein will“, heißt es in Downtown Abbey. Das ist absolut richtig und ich bin eine lässige Ente. Also legte ich mich ohne weitere Zweifel in mein Planschbecken - türkisblaues Wasser, Damen und Herren! - und es wurde noch eine tolle, reiche, perfekte Stunde.

© Nele Nielsen

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