Einiges los

30.07.2021 Es ist eigentlich egal, wo man sich an heißen Sommertagen rumtreibt – Hauptsache, es sind Influencer da, dann gibt es was zu gucken.

© ingimage.com

Neulich in der Elbe: ich schwimme so vor mich hin, außer mir nur noch ein Mensch im Wasser, etwas entfernt, die Frau unterhält sich hörbar in den Fluss hinein. „Wow, Du glaubst es nicht! Das ist ja herrlich!... Ja, genau so muss das sein… och, bisschen kühl, aber das gibt sich gleich… doch, ja, perfekt, siehste mal!“ Doll, denke ich, das Handy ist wohl irgendwie gut eingetütet und anscheinend gibt es jetzt dazu wasserfeste Kopfhörer, damit die Menschen auch beim Schwimmen der Welt mitteilen können, wie es gerade um sie steht. Der Sache will jedenfalls auf den Grund gegangen sein. „Telefonat?“, rufe ich also rüber und die Frau winkt fröhlich. „Hahaha! Nein! Selbstgespräch!“ Menschen, die mit sich selber plaudern, finde ich toll und kein bisschen unheimlich.

Spooky sind nur die Influencerinnen, die am Ufer unterwegs sind - wie immer und überall: junge Frauen spazieren mit filmendem Begleiter den Strand entlang, dann wird gestoppt und das Ergebnis angeguckt. Die Aufnahmen sind nie, nie okay genug, schade. Also alles von vorn, diesmal werden die Füßchen aber hübscher gesetzt und es gibt auch mal einen kleinen Hopser. Es ist ganz schön Arbeit, der Welt zu zeigen, dass man gerade wirklich, wirklich gut drauf ist.

Über einem meiner Kollegen wohnt eine junge Mutter, sie erzählt auf ihrem erfolgreichem Account von ihrem glücklichen Familienleben und zeigt ihre stylische Einrichtung. Mein Kollege sagt, dass es etwas anstrengend ist, unter ihr zu wohnen, weil jeden Tag die Möbel gerückt werden - das Sofa muss immer wieder mal woanders stehen, damit den Followers nicht langweilig wird. Außerdem, erzählt der Kollege, streiten die Nachbarin und ihr Freund jeden Tag. „Wie sollen wir jemals glücklich werden, wenn du immer nur mit Deinen Kumpels unterwegs bist!“, schreit die Nachbarin und dann knallen die Türen und der Freund poltert die Treppe runter und stürmt aus dem Haus. Wenn mein Kollege wenig später auf Instagramm nachguckt, hat die Nachbarin ein süßes Familienbild gepostet, darunter steht „Happy Family.“ Ist natürlich richtig, denn man soll die Hoffnung nie aufgeben. Darauf ein Emoji mit Herzchenaugen. Und zwei Extra-Herzchen obendrauf… ach was soll‘s: ich spendier drei.

© Nele Nielsen

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