Küssen!

20.08.2021 Wunderbar, wir müssen uns im Straßenverkehr nicht mehr groß über unaufmerksame Trottel ärgern: sie träumen alle nur vom Küssen.

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Auch heute wieder mit dem Auto durch die verstaute Stadt gefahren. Ich schimpfe nie über Staus, ich nehme sie so hin. Ich könnte auch leise, gesund und umweltfreundlich mit dem Fahrrad fahren, überlege ich jedes Mal, wenn ich im Auto sitze. Meine heutige gute Entschuldigung: ich hatte meinen gebrechlichen Vater und einige Zentner Altglas dabei. Während der Fahrt tat ich wiederholte nette Dinge, wich bei Engpässen aus, ließ andere Wagen vor, so das Handelsübliche. Ich schätze mal grob: etwa 70 Prozent Derjenigen, zu denen ich freundlich war, haben sich nicht dafür bedankt. Bedanken beim Autofahren ist ja grundsätzlich keine große Sache, man hebt mal eben kurz die Hand vom Lenkrad. Wer das nicht tut, dachte ich bislang, ist ein unerzogener Töffel. Ich möchte aber milder werden und verständnisvoller, denn ärgern macht mir Stirnfalten und Magenweh. Wahrscheinlich habe ich also überlegt, sind diese undankbaren Menschen gar keine schlecht erzogenen Tölpel, sondern nur gefangen in ihrer eigenen, kleinen Welt; vielleicht haben sie große Sorgen, wie zum Beispiel, dass sie um 18.30 zum Abendessen zuhause sein müssen, weil es sonst wieder schlimm Zores gibt und die Beziehung ja ohnehin nicht mehr das ist, was sie mal war, Sex gibt es nur noch sehr selten und anständig geküsst wird gar nicht mehr.

Küssen ist sehr wichtig. Allerdings: umso mehr Menschen ich frage, wie es bei ihnen so mit dem Küssen läuft, umso tragischer wird die Geschichte. Es scheint so zu sein, dass nur wenige Paare richtig gut küssen, also so, dass beide hundertprozentig mit dem Küssen zufrieden sind. Entweder eine*r will zu wenig küssen oder die Küsse an sich sind nicht ganz stimmig. Das Problem ist natürlich, dass man viel zu selten außerhalb der Partnerschaft küsst und deshalb die tollsten Küsse wohl alle verpasst. Ich selber habe des Öfteren das plötzliche Verlangen, jemanden zu küssen, man nennt das Basorexie. Aus Erfahrung kann ich berichten: Wenn man diesem Drang nachgibt, gibt es im schlimmsten Fall eine kleine Enttäuschung. Es ist letztendlich nicht anderes, als mit dem perfekten BH, der richtigen Kaffeemaschine und der Lieblingsbar – um die wirklich guten Dinge zu finden, braucht es manchmal Jahre… aber dann blasen sie einem das Hirn weg.

Geschätzte Damen und Herren, ich verabschiede mich nun bis zum 17. September in eine kleine Pause. Auch in Dänemark gibt es ja schönen Regen, den will ich mir mal anschauen.

© Nele Nielsen

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