So geht Januar!

25.01.2019 Suchen Sie sich was Hübsches aus, für diese eisigen Zeiten: kuscheln auf dem Lammfell, Bauchmuskeltraining mit Personal Trainer oder Händchenhalten mit Fremden am Handy.

Kuscheliges Lammfell. © picture alliance / dpa / Inga Kjer / dpa - Themendienst

Ich bemühe mich, aber Fitness und ich werden einfach keine Freunde. Wenn Fitness ein Mensch wäre, dann wäre sie so eine hagere Type mit durchdringenden Augen und starren Prinzipien. Ich habe meine Vorsätze für dieses Jahr. Jeden Tag einmal Bewegung. Ich habe eine Liste angelegt, ein raffiniertes System von Kästchen, Häkchen und Kreuzen. Ich kann zum Beispiel ankreuzen ob ich schon meine Bauchmuskeln trainiert habe oder (rot! rot!), ob ich Alkohol getrunken habe oder eine halbe Stunde stramm spaziert bin. Am Ende jeder Woche kann ich dann sehen, was ich geleistet habe. Es ist ein sehr gutes System. Es zeigt mir deutlich auf: ich tue eigentlich nichts, außer rumhängen und Gin Tonic trinken.

Der Übergangsmann in meinem Bett ist wenig motivierend für mein Vorhaben. Er zieht sich schnell aus, wenn er zu mir kommt und liegt dann nackt auf einem Lammfell (Eisbärfell war aus) vor dem warmen Ofen, die Eiswürfel klirren leise in seinem Drink. „Wir können uns im Sommer wieder bewegen“, sagt er. „Da gehen wir raus in den Garten und legen uns auf die Liege“. Okay, habe ich gedacht, dann kaufe ich mir eben einen Motivator.

Ich habe also Ausschau nach einem Personal Trainer gehalten. Im Internet kann man sich die angucken. Wenn schon, denn schon, habe ich gedacht und mir den ausgesucht, der mir am meisten Angst gemacht hat. Es gibt es ein Video von ihm, in dem er sagt, dass er jeden Morgen um fünf Uhr morgens glücklich aufwacht und sich auf einen Tag voller Fitness freut. Nächste Woche treffe ich mich mit ihm. Ich habe mir noch nie zuvor einen Mann für irgendwas gekauft, ich bin sehr gespannt. 

Viele Menschen, habe ich erfahren, haben heutzutage „Reichweitenangst“. Wenn der Akku vom Smartphone fast leer und keine Lademöglichkeit in der Nähe ist, fürchten sie sich davor, gleich allein zu sein und mit niemandem mehr kommunizieren zu können. Auch Babys geraten ja in Panik, wenn die Mutter kurzzeitig verschwindet. Jedenfalls gibt es für diese dramatischen Augenblicke jetzt eine App. Wenn der Ladezustand unter fünf Prozent fällt, wird man in einen Chat eingeladen. In dem erleben die Teilnehmer den Moment der Entladung dann gemeinsam. Also quasi wie ein Stuhlkreis in der Selbsthilfegruppe. Oder ein Gruppenorgasmus, nur in traurig. Damen und Herren, das ist selbst mir zu bizarr. Ich melde mich ab und kehre zum Lammfell zurück.

© CONCON Content Consulting GmbH

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