Geheime Lüste

19.04.2019 Was man im Frühling optimal tun kann: nach einem neuen Job, einer neuen Matratze oder dem Glück suchen.

Foto: Daniel Karmann © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

 

Manchmal denke ich darüber nach, den Job zu wechseln, nur so spaßeshalber. In der Zeitung fand ich neulich eine sehr große Stellenanzeige mit der riesigen Überschrift: „Im Verborgenen Gutes tun!“ Ich dachte sofort an Hilfe für arme Waisenkinder und andere Menschen, die im Dunkeln leben. Eine sehr schöne Aufgabe. Dann wurde die Schriftgröße nach und nach kleiner und schließlich gab es eine Überraschung: „Sinnvolle und sichere Jobs... im Inlandsnachrichtendienst.“ Inlandsnachrichtendienst, oha. Was macht der nochmal? Geheimdienstkram? Spione (männlich) im Trenchcoat mit hochgeschlagenem Kragen und Hüten mit breiten Krempen? Mein Wissen über den Geheimdienst speist sich aus alten Schwarzweiß- und James Bond-Filmen. Über Frauen beim Geheimdienst weiß ich, dass sie die Spione der anderen Geheimdienste verführen. Das ein guter Job, dachte ich.

Ich ging also schnell auf die Homepage des  Verfassungsschutzes. Dort wurde allerdings schnell klar, dass hauptsächlich Sachbearbeiter jeden Geschlechts gesucht werden. Es bleibt etwas unklar, was genau die Sachbearbeiter dort eigentlich tun. Es geht um Informationen und Maßnahmen im weitesten Sinne, irgendwie. Der Job scheint grundsätzlich für all jene Menschen geeignet, die gerne Sachen machen, am liebsten am Schreibtisch. Auch Azubis werden gesucht. Junge Leute, aufgemerkt! Wer sich gerne an der frischen Luft bewegt und rot und blau unterscheiden kann, für den tut sich hier ein hübsches Berufsfeld auf., Ich zitiere: „Wichtig ist ein Blick für Details. Es ist entscheidend, ob eine Zielperson während einer laufenden Observation beispielsweise eine rote oder blaue Mütze trägt.“

 

Jetzt zu wichtigen Dingen: wie fast alle Menschen es zurzeit tun, habe auch ich mir eine neue Matratze gekauft. Meine alte Matratze war hart und ungemütlich, die neue Matratze hat jede Menge unterschiedlicher harter und weicher Zonen, damit jedes Körperteil genauso schmusig liegt, wie er es braucht. Ich fühlte mich auch sofort tadellos erholt beim Aufwachen. Das Problem ist, dass ich ausschließlich im Bett frühstücke. Ich setze mich auf und lehne mich an einen mächtigen Berg Kopfkissen, eine einfache Sache. Auf der neuen Matratze versinke ich dabei allerdings in der weichen Schulterzone, sie verschlingt mich quasi. Sex ist auch nicht so gut auf der verzonten Matratze.

Ich werde zu faul sein, die Matratze umzutauschen und mir auch keinen neuen Job suchen. Es gibt so viel anderes, schöneres zu tun: man kann wieder durch die Straßen streichen, die Türen der Bars stehen offen, die Menschen zwinkern einander zu, das Glück lauert überall. Greifen Sie zu!

© Nele Nielsen

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