Meldungen aus dem Bett

16.10.2020 Was brauchen wir? Wenig eigentlich in diesen brisanten Zeiten. Vielleicht nur ein neues Bett, Geduld und ein rührendes Musikvideo.

Mit dem Begriff «Lost» wird ahnungsloses und unsicheres Verhalten beschrieben. Foto: Sebastian Gollnow/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Seitdem ich mich nicht mehr in Bars traue, bestelle ich online Sachen. Allerdings ab sofort keine Männer mehr. Der Letzte gab sich im Netz als tougher Cowboy aus und fiel bei unserem Date an der frischen Luft nach fünf Minuten in den Mimimi-Modus. Ihm war kühl, er wollte schnell ins Warme. Das ist grundsätzlich okay, auch Männer sollen vor Kälte zittern dürfen. Zum Beispiel, wenn sie sich von ihren Schlittenhunden durch einen Eissturm ziehen lassen. Ich ritt zügig alleine nach Hause und kam auf dem Weg an einer C-Date-Werbung vorbei. Bei C-Date kann man sich eine/n Lieberhaber*in besorgen und die Werbung geht so: “Mein eigenes Bett kenne ich jetzt gut genug.“ Richtig!, dachte ich und bestellte mir gleich ein neues Bett, mein altes war rein emotional tatsächlich etwas durchgenudelt.

Jetzt steht das neue Bett erwartungsvoll da und ich bin im Gespräch mit einem Lokführer. Die zittern nicht, ich habe mich informiert. Der Job eines Lokführers erfordert Einiges: er muss ruckfrei anfahren und sanft bremsen können, darf keine Scheu vor schmutzigen Fingern haben und muss bei Störungen Ruhe bewahren. Das Alles passt prima zu dem, was ich für mein neues Bett angedacht habe. Leider lasse ich coronatechnisch aktuell niemanden in mein Schlafzimmer - aber auch die Eichhörnchen sammeln ja zurzeit schon mal Nüsschen für den Winter. 

Bis dahin liege ich allein im Bett, gucke mir die Ordnung an und versuche, nix anzufassen. Wie alle Menschen habe ich in diesem Jahr mehr Zeit als üblich Zuhause verbracht und aufgeräumt. Jetzt hat Alles hübsch seinen Platz und ich freue mich wie Gräfin Koks. Da ich gerade keinen Butler habe, muss ich allerdings Alles, was ich benutze, danach selber wieder an seinen Ort verbringen. Ich stelle fest: Ordnung ist auch keine Lösung. Wenn man adrett leben will, kommt man zu sonst nix mehr, der Tag ist komplett damit ausgefüllt, Dinge hin und her zu tragen. 

Als ich mich die Tage wegen all dieser Geschichten etwas lost fühlte - „lost“, hey, mal ein passendes Jugendwort des Jahres – fand ich was Wärmendes fürs Herz: Marianne Rosenberg ist 65 geworden und hat nach ein paar Jahren Auszeit beschlossen, doch noch eine Runde Karussell zu fahren. Ich will nicht spoilern, aber dieses Video können auch all Diejenigen bis zum Ende durchgucken, denen Schlager eigentlich auf die Nerven gehen. Ein gerührtes Schniefen hat noch Niemandem geschadet. 

© Nele Nielsen

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