20 Minuten lang high

04.12.2020 Man darf zurzeit Drogen genießen, in seiner Erdhöhle. Manche gibt es schon länger, aber es ist auch Neues dabei.

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Ich kaufe seit Wochen Lebensmittel, die im Leben vor Corona für mich tabu waren, heftiges Zeug aus dem Supermarkt. Schmelzkäse, amerikanische Pizza, alle Hot Dog-Zutaten. Teure amerikanische Eiscreme, griechischen Vollfettjogurt. Neulich das Highlight der Woche: Schweinekruste auf den Ofenkäse. Das klingt ungut, da bin ich ganz bei Ihnen – aber Fett löst Glückshormone aus, das ist pure Wissenschaft. Ich war jedenfalls für etwa 20 Minuten stoned.

Andere Betörung gibt es für alle Single-Hasen unter uns, die das Online-Gedingse zunehmend nervt und verwirrt. Die kostenlose Dating-App Only One hat einen erfrischend altmodischen Grundgedanken: volle Konzentration auf genau eine Person. Tatsächlich kann man hier pro Tag nur eine*n Favorit*in wählen und während man sich gegenseitig schreibt, gibt es für beide keine weiteren Partnervorschläge. Außerdem darf man Sprachnachrichten verschicken. Sehr prima, denn unsere Öhrchen sehnen sich nach etwas Passenden und mussten bei ersten, realen Treffen schon manches Mal erschrocken zucken. Also: Eine Stunde softes Highsein sollten beim Ausprobieren dieser netten Geschichte drin sein.

Menschen in meinem Umfeld versuchen noch Anderes, für einen kleinen Abflug: eine Unterhaltung ohne den Buchstaben S führen, sich einen Tag wie ein Bär benehmen oder nackt tanzen. Komplett richtig macht es mein Postbote und jetzt wird es wahr und rührend: er ist berauscht, weil er Andere glücklich macht. Dienstfahrrad und Anhänger sind mit Lichterketten bebömmselt und funkeln wie ein Weihnachtsbüdchen. „Um mal ‘n büschen Stimmung in die ganze traurige Chose zu bringen,“ sagt er und wirft seine selbstgebastelten Weihnachtspostkarten in die Briefkästen. „Ist die Nacht auch noch so finster, am Morgen geht die Sonne auf,“ steht drauf. Dagegen gibt es auch bei bedecktem Himmel nichts Vernünftiges einzuwenden.

Was lernen wir? Lichterkette ins Fenster, Weihnachtskarten schreiben, bisschen was Sahniges essen und nie die Hoffnung aufgeben? Ja, so in etwa sollte es klappen.

© Nele Nielsen

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