Purer Wohlklang: Del Amitri sind zurück

03.06.2021 Mit anspruchsvollem Radio-Pop verwöhnten Del Amitri schon in den 90ern ihre Fans. 19 Jahre nach dem vermeintlichen Abschiedsalbum kehren sie nun überraschend zurück - ganz ohne Qualitätseinbußen.

Del Amitri aus Schottland haben sich gut gehalten. Foto: Kevin Westenberg/Oktoberpromotion/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Das erste Lebenszeichen von Del Amitri nach fast zwei Jahrzehnten Studio-Sendepause übertraf alle Erwartungen: «Close Your Eyes And Think Of England» war Ende 2020 eine so perfekte schwermütige Ballade, wie man sie selbst diesen Virtuosen des melancholischen Popsongs nach so langer Zeit kaum noch zugetraut hatte.

Rund ein halbes Jahr später rundet die schottische Band mit ihrem neuen Album «Fatal Mistakes» nun ein starkes Comeback ab.

Mutmacher-Hymnen

Die 13 Lieder betreten zwar kein Neuland - es sind weiterhin sorgfältig komponierte Poprock-Juwelen, die Frontmann Justin Currie und seine Mitstreiter hier servieren. Und auch wenn an die Meisterstück-Qualität von «Close Your Eyes...» keiner der neuen Songs mehr herankommt, ist dies immer noch ein Album, das mit den besten im bis 1985 zurückreichenden Del-Amitri-Katalog konkurrieren kann.

Über 25 Jahre ist es schon her, dass die in Glasgow gegründete Band ihre Hits hatte. Lieder wie «Nothing Ever Happens», «Driving With The Brakes On» oder «Roll To Me» zieren anspruchsvolle Radio-Playlists bis heute. Mit «Don’t Come Home Too Soon» versuchten Del Amitri als Fußballfans Schottlands WM-Kicker 1998 gar vor dem gewohnt frühen Ausscheiden zu bewahren (vergeblich - was der Schönheit ihrer Mutmacher-Hymne indes keinen Abbruch tat).

Mit dem Soul-nahen, wieder sehr gelungenen Album «Can You Do Me Good» (2002) schien die Karriere der Band nach fünf britischen Top-10-Alben und rund sechs Millionen verkauften Tonträgern beendet zu sein. Ausverkaufte Revival-Konzerte der vergangenen Dekade warfen dann aber offenkundig neue Inspiration ab.

«Es ist eine Sammlung bizarrer Geschichten, angetrieben von Gitarren, Schlagzeug und Keyboards - vollständig von dem Quintett, mit dem wir 2014 und 2018 großartige Tourneen spielten», sagt Currie, der mit seiner warmen Baritonstimme und dem Gespür für so eingängige wie ambitionierte Melodien eine solide Solokarriere gestartet hatte. Fazit: Immer noch schafft kaum eine britische Band den Spagat zwischen Beatles-Pop und US-Folkrock so elegant wie Del Amitri.

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