Weit mehr als «Alf»: Tommi Piper wird 80

19.03.2021 Von «Alf» über die Krautrocker Amon Düül II bis hin zum «Dschungelcamp»: Tommi Piper hat, wie er selbst sagt, «nichts ausgelassen.»

Tommi Piper: Zum 80. Geburtstag gibt es Bratwürstchen und Champagner. Foto: picture alliance / dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Es gibt Menschen, die altern einfach nicht. Zu dieser Spezies gehört auch Tommi Piper. Der kreative Allrounder und gebürtige Berliner feiert in seiner bayerischen Wahlheimat Oberschleißheim bei München am 19. März seinen 80. Geburtstag.

Fast unglaublich, denn seinen unbekümmerten Lausbuben-Charme hat der Schauspieler, Synchron-Sprechstar («Alf») und Musiker längst nicht verloren - wie im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur deutlich wurde.

«Okay, ich bin jetzt auf den letzten 100 Metern», lässt er vergnügt verlauten, «es zwickt schon mal hier und da. Aber ich bin total dankbar, dass ich bisher ein Leben ohne größere Krankheiten leben durfte.» Damit das auch weiterhin so bleibt, gehe er zwei Mal am Tag eine mehrere Kilometer große Runde mit seinem «Rennhund».

Vor allem aber sorge er dafür, dass der Spaß in seinem Leben nicht zu kurz kommt. Beispielsweise durch regelmäßiges Segeln und tägliches Gitarre- und Banjo-Spielen.

Zeit dafür hat er genügend. Leider, muss er sagen. Denn eigentlich würde Tommi Piper immer noch gerne seiner beruflichen Tätigkeit als Schauspieler oder Synchronsprecher nachgehen. «Ich bin fit», sagt er, «körperlich und geistig.» Doch Aufträge seien Mangelware. Und wenn mal eine Zusage kommt, müsse man immer mit einer Absage im letzten Moment rechnen. Mehrfach habe er das in den letzten Jahren erlebt.

Von Verbitterung ist Piper dennoch so weit entfernt wie die TV-Figur Alf von ihrem Heimatplaneten Melmac. «Was ich alles erleben durfte ...», sagt er und klingt dabei für einen Moment etwas nachdenklich, «ich habe wirklich nichts ausgelassen.» Rund 150 Fernseh- und Filmproduktionen, zahlreiche Theateraufführungen und -tourneen sowie etliche Hörspiele stehen zu Buche - sowie eine Karriere als Musiker, die neben vielen Singles und Alben auch ein Engagement als Sänger bei der legendären Krautrock-Gruppe Amon Düül II aufweist.

Die Weichen für ein kreatives Leben wurden früh gestellt. Pipers Eltern waren Künstler: der Vater Schauspieler, die Mutter Tänzerin. Der kleine Tommi schnupperte deshalb schon früh Theaterluft. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg zog es Familie Piper mal ins niederbayerische Straubing, mal nach München, dann nach Hamburg. Dort bekam er auch erste Schauspielengagements - was dem nimmermüden Kreativling aber nicht reichte: Er machte Musik, lernte die Lieder von Hans Albers und entwickelte eine Leidenschaft für New Orleans-Jazz.

Nach einer Ausbildung zum Grafiker absolvierte er die Hamburger Schauspielschule, spielte Theater in Hannover und Lübeck. Dann kam schon die erste große Synchronrolle: die Stimme für Little Joe aus der Western-Kultserie «Bonanza». Viele Hunderte Male gab er die deutsche Version des jüngsten Cartwright-Sprosses. In den folgenden Jahren lieh Piper verschiedenen Hollywood-Stars seine markante, stets leicht angeraute Stimme, darunter: Harvey Fierstein, Nick Nolte, Tony Danza und dem jungen Jeff Bridges.

Zu Ruhm und Ehre kam er aber nicht durch die Synchronisation eines Menschen aus Fleisch und Blut - sondern durch seine Sprecherrolle für eine Puppe: Für die 102-teilige amerikanische Sitcom «Alf». Der putzige Außerirdische mit der rüsselartigen Nase entwickelte sich in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre zum Quotenhit, nicht zuletzt wegen der launigen Synchronisation Pipers.

In den letzten Jahren wollte Piper nicht so gerne über diese Rolle sprechen, war sie für ihn doch gleichermaßen Fluch und Segen: Dem Hype folgte prompt eine Auftragsflaute, ein Zurück ins ernste Fach wollte sich nicht einstellen. Heute aber sagt er: «So langsam merke ich, dass ich damit Fernsehgeschichte geschrieben habe.» Das zeige sich auch daran, dass er noch heute, gut 30 Jahre nach der letzten «Alf»-Folge, auf diese Figur angesprochen werde. «Erst letzte Woche passiert, an der Supermarkt-Kasse», sagt er nicht ohne Stolz.

Auch seine Meinung über ein anderes TV-Format hat er über die Zeit geändert. Als ihn vor einigen Jahren die erste Anfrage für das «Dschungelcamp» erreichte, kam ein Auftritt für ihn nicht in Frage. 2019 gab er dem Werben aber nach, um bei der 13. Staffel von «Ich bin ein Star - holt mich hier raus!» mitzuwirken.

Eine nicht nur finanziell lohnende Angelegenheit, wie er sagt: «Man macht da schon was durch: Diese Hitze in Australien, diese giftigen Viecher, aber» so sagt er, «das schweißt die Leute auch zusammen. Wir sind uns am Ende in den Armen gelegen. Das war richtig sentimental. Besser als manches Theaterstück.»

Den 80. Geburtstag will Piper mit seiner Frau und einem Nachbarn feiern - unter Corona-Bedingungen. «Wir grillen Bratwürstchen und trinken Champagner und später hole ich mein Banjo raus. Das wird gemütlich.» Da war es schon wieder, dieses berühmte Lausbuben-Lachen.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News