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Eingreifen nach Bluttat: Mutiger Vater ausgezeichnet

An einer Offenburger Schule herrschen an einem Novembertag Angst und Entsetzen. Ein Vater hält einen mutmaßlichen Todesschützen beherzt fest. Nun gibt es eine besondere Auszeichnung des Landes.
Rettungsmedaille des Landes für Sabah Tamer Ayoub
Sabah Tamer Ayoub steht vor der Waldbachschule in Offenburg. © Philipp von Ditfurth/dpa

Einsatz in höchster Gefahr: Ein Vater hat für seine Zivilcourage nach einer Bluttat in Offenburg die Rettungsmedaille des Landes erhalten. Sabah Tamer Ayoub habe Menschen aus Lebensgefahr gerettet, sagte Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) am Sonntag in Offenburg (Ortenaukreis). Der 47-Jährige habe wie «ein Sonnenstrahl» gehandelt.

Ayoub hielt im November bei dem Angriff in einer sonderpädagogischen Schule den 15-jährigen mutmaßlichen Todesschützen fest und verhinderte damit nach Einschätzung Strobls ein noch schlimmeres Blutbad. Die Lage war damals sehr unübersichtlich und von «Angst und Entsetzen geprägt», wie der Politiker sagte. Der Fall löste auch überregional Trauer und Entsetzen aus.

Der Tatverdächtige war nach früheren Angaben der Ermittler gezielt in den Klassenraum gegangen. Er habe in Anwesenheit der Mitschüler auf sein Opfer geschossen. Der Gleichaltrige starb kurz darauf an seinen schweren Verletzungen.

Ayoub sagte, er fühle sich sehr geehrt, die Auszeichnung werde jedoch in seinem täglichen Leben nicht viel ändern. «Ich wollte etwas tun, bevor er rausgeht», sagte er mit Blick auf den Tatverdächtigen. Er habe den Jugendlichen lautstark aufgefordert, die Waffe auf den Boden zu legen. Dann habe er den 15-Jährigen überwältigt und etwa fünf Minuten auf dem Boden festhalten, bis die Polizei gekommen sei, erzählte der aus dem Irak stammende Ayoub. Zwei seiner Kinder besuchen die Offenburger Schule.

Das Einschreiten Ayoubs sei ein «Vorbild dafür, Zivilcourage zu zeigen», sagte Strobl. «Wir können ein solch mutiges Verhalten nicht von jedem erwarten, und offen gesagt möchte ich dazu auch nicht raten.» Es sei Aufgabe von Polizistinnen und Polizisten, sich bewaffneten Tätern entgegenzustellen.

Die Rettungsmedaille des Landes wird nach Angaben des Innenministeriums nur wenige Male im Jahr verliehen. 2023 wurden fünf Menschen ausgezeichnet, im vorvergangenen Jahr waren es sechs gewesen. Bei der Verleihung an Ayoub im Rahmen des Neujahrsempfangs der Stadt Offenburg stand auch Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) auf der Bühne.

Ayoub sagte, er habe damals den Eindruck gehabt, dass der mutmaßliche Täter «noch etwas anderes machen» wollte. In der Schule wurden nach früheren Ermittlerangaben 50 nicht abgefeuerte Patronen gefunden. Der Tatverdächtige, ein Deutscher, kam wegen des Verdachts auf Totschlag in Untersuchungshaft. Die Tatwaffe, eine Beretta, stammte den Ermittlern zufolge aus dem häuslichen Umfeld.

© dpa
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