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Homeoffice-Pflicht: Segen oder Fluch?

26.01.2021 - Nun ist sie da, die Homeoffice-Pflicht – zumindest auf dem Papier. Was die einen als Segen im Kampf gegen die Corona-Pandemie sehen, empfinden andere als Fluch und unnötige Belastung von Arbeitnehmern und -gebern. Dabei hätte die verstärkte Nutzung von Homeoffice auch in der Zukunft nach Corona handfeste Vorteile für beide Seiten.

  • Für das Arbeiten im Homeoffice muss der Arbeitgeber für die notwendige Ausstattung sorgen
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    Für das Arbeiten im Homeoffice muss der Arbeitgeber für die notwendige Ausstattung sorgen © unsplash

  • Im Frühjahr 2020 blieben die Berliner U-Bahnen dank großzügiger Homeoffice-Regelungen recht leer

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    Im Frühjahr 2020 blieben die Berliner U-Bahnen dank großzügiger Homeoffice-Regelungen recht leer © unsplash / Serj Sakharovskiy

  • Hubertus Heils Homeoffice-Verordnung sieht Kontrollen, aber keine drakonischen Strafen wie in Frankreich oder Belgien vor ©

    Hubertus Heils Homeoffice-Verordnung sieht Kontrollen, aber keine drakonischen Strafen wie in Frankreich oder Belgien vor © BAMS

Neue Regeln bis 15. März

Zusätzlich zu den bestehenden Corona-Regeln am Arbeitsplatz gelten laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales erst einmal bis einschließlich 15. März 2020 zusätzliche Vorschriften. Demnach sind Arbeitgeber verpflichtet Homeoffice anzubieten und Arbeitnehmer sollten das Angebot annehmen, soweit sie können.

Wird im Betrieb weitergearbeitet, gelten strengere Arbeitsschutzregelungen für Abstände und Mund-Nasen-Schutz. Müssen Räume von mehreren Personen gleichzeitig genutzt werden, müssen pro Person zehn Quadratmeter zur Verfügung stehen. In Betrieben ab zehn Beschäftigten müssen diese außerdem in möglichst kleine, feste Arbeitsgruppen eingeteilt werden. Arbeitgeber müssen mindestens medizinische Gesichtsmasken, also die sogenannten OP-Masken, zur Verfügung stellen.

Arbeitgeber „not amused“

Wenn man sieht, dass die Zahl der Corona-Neuinfektionen und auch der Sieben-Tage-Inzidenzwert in den meisten Städten und Kreisen Deutschlands sinken, kann man verstehen, dass insbesondere die Arbeitgeber über die von Bund und Ländern beschlossene und von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) verordnete Homeoffice-Pflicht „not amused“ sind.

„Wir brauchen differenziertere Lösungen je nach Lage des jeweiligen Infektionsgeschehens. Schließlich sind die Unternehmen nachweislich keine Infektionsschwerpunkte. Hier liegt der Anteil nach Zahlen des Robert Koch-Instituts bei gerade mal zwei bis vier Prozent. Stattdessen finden Infektionen vor allem in Alten- und Pflegeheimen (rund 43 Prozent) und im privaten Haushalt (rund 28 Prozent) statt“, so Oliver Zander, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall. „Die Möglichkeiten weitere Infektionen durch einen harten Lockdown der Industrie zu vermeiden sind also gering, der mögliche wirtschaftliche Schaden aber enorm.“

Den Sommer verschlafen

Die Wut der Arbeitgeber ist verständlich, aber leider muss man auch sagen, dass die deutschen Unternehmen aus der ersten Welle nicht viel gelernt haben. Eine Umfrage der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zeigt, dass derzeit im Vergleich zum Frühjahr 2020 deutlich weniger Menschen im Homeoffice sind. So arbeiteten im April 2020 noch 27 Prozent der Beschäftigten eigenen Angaben zufolge von Zuhause aus. Bis November 2020 sank diese Zahl auf 14 Prozent und liegt aktuell kaum darüber.

Es ist anscheinend so, dass der klassische deutsche Chef seinen Angestellten misstraut und es nicht missen möchte à la Stromberg direkt über sie zu herrschen. Außerdem ist man gern knausrig. Gerade in mittelständischen Unternehmen, in denen die Uhren langsamer ticken, ist man ungern bereit alte stationäre Rechner gegen moderne Laptops zu tauschen, geschweige denn den Arbeitnehmern zu Hause auch einen Drucker und ggf. eine schnellere Internet-Leitung zur Verfügung zu stellen. Das alles gehört nämlich zu einer Homeoffice-Ausstattung dazu und muss vom Arbeitgeber bezahlt werden. Bei gut aufgestellten Firmen wie Vodafone erreicht man dagegen Homeoffice-Quoten von 95 Prozent und mehr.

Gute Argumente für Arbeitnehmer

Arbeitnehmer haben mit der neuen Verordnung sicherlich ein gutes Argument mehr, um ihre Arbeitgeber von der Einrichtung eines Homeoffice zu überzeugen. Zunächst einmal kann das aktuell zusammen mit verstärktem Impfen helfen die Corona-Infektionszahlen merklich zu senken. Nicht umsonst wiesen während der ersten Welle Großstädte wie Berlin oder Technologiestandorte wie Darmstadt mit ihrem hohen Anteil an Homeoffice-Arbeitern relativ wenige Corona-Fälle auf.

Aber auch langfristig können Arbeitnehmer und -geber von mehr Homeoffice profitieren. Wenn Arbeitnehmer merken, dass ihre Gesundheit dem Chef wichtig ist, fühlen sie sich ihm mehr verpflichtet. Da die Fahrt zum und vom Arbeitsplatz entfällt, hat der Arbeitnehmer mehr effektive Freizeit, weniger Stress und kann sich um den ebenfalls einkasernierten Nachwuchs kümmern. Das wirkt sich ebenfalls positiv auf seine Leistungsfähigkeit aus.

Auch Bürofläche kostet

Nach Corona wird die Zahl der Homeoffice-Tage sicherlich geringer, aber trotzdem kann man so dauerhaft ein besseres Arbeitsklima erzeugen. A propos Klima: Das freut sich natürlich auch über die Vermeidung jeder überflüssigen Fahrt. Auch für den Arbeitgeber kann sich das lohnen, da in Zukunft je nach Konzeption der Arbeitsgruppen teure Büroflächen eingespart werden können.

Gespannt bin ich persönlich auf die von Arbeitsminister Heil angekündigten Kontrollen. Sicherlich werden keine Horden von Ordnungsämtlern und Polizisten mit FFP2-Masken durch Deutschlands Büros stampfen, um den Abstand zwischen den Angestellten auszumessen, aber ohne stichprobenartige Kontrollen wäre die Homeoffice-Verordnung nur ein zahnloser Papiertiger.

Blick über die Grenze

Den jammernden Arbeitgeber-Vertretern sei hierbei ein Blick über die Grenze empfohlen. In Frankreich und Belgien, die von der ersten Welle ungleich härter getroffen wurden als Deutschland, gilt seit Oktober 2020 eine Homeoffice-Pflicht für alle Wirtschaftszweige, wo ein Homeoffice möglich ist. Die Strafen bei Verstößen gegen die dortigen Verordnungen sind drakonisch. Bis zu 48.000 Euro müssen uneinsichtige Chefs berappen – da sind ein paar neue Laptops, Drucker und Zuschüsse für Internet-Leitungen sicherlich günstiger. 

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