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Tracking-Apps: Wie gläsern sind wir schon?

21.04.2020 - Zur Bekämpfung der Corona-Pandemie halten Experten Tracking-Apps für ein geeignetes Mittel. Doch wären unsere Daten trotz Anonymisierung sicher vor unerlaubtem Zugriff? Ein genauerer Blick aufs Smartphone zeigt: Wir sind schon gläserner, als wir denken.

  • In Asien ist das Smartphone immer dabei und der Datenschutz ziemlich egal ©

    In Asien ist das Smartphone immer dabei und der Datenschutz ziemlich egal © Google

  • Sollte man sein Smartphone zurücksetzen, sollten schöne Erinnerungen wie Gruppen-Selfies zuvor auf einer Festplatte oder in der Cloud gesichert werden © Nokia / HMD

    Sollte man sein Smartphone zurücksetzen, sollten schöne Erinnerungen wie Gruppen-Selfies zuvor auf einer Festplatte oder in der Cloud gesichert werden © Nokia / HMD Global

  • Atemschutzmasken waren zuerst in Österreich Pflicht. Nun sind sie auch in einigen Regionen Deutschlands vorgeschrieben. © unsplash / Ani

    Atemschutzmasken waren zuerst in Österreich Pflicht. Nun sind sie auch in einigen Regionen Deutschlands vorgeschrieben. © unsplash / Ani Kolleshi

Corona-Tracking-App von Google und Apple

Es war eine große Überraschung: Die beiden Technologie-Konzerne Google und Apple, die sich sonst spinnefeind sein, gaben in einer Pressemitteilung bekannt, sie würden gemeinsam an einer technischen Infrastruktur arbeiten, um die Verbreitung des Corona-Virus einzudämmen.

Mit Hilfe von Smartphone-Daten soll sich künftig nachvollziehen lassen, wie viele Kontakte infizierte Personen mit anderen Menschen hatten. Dank einer speziellen Bluetooth-Technologie solle alles komplett anonym und absolut sicher sein, hieß es bei Google und Apple.

Südkoreas Erfolg dank Tracking-Daten

Experten halten nicht nur Atemschutzmasken, sondern auch Tracking-Apps für einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung des Corona-Virus. Dabei verweist man gern auf die positiven Erfahrungen aus Südkorea. Das Land war eines der ersten Länder außerhalb Chinas, das von Corona betroffen war. Trotzdem konnte man dort die Infektionszahlen im Zaum halten und verzeichnete relativ wenige Tote.

Die extreme Smartphone-Dichte und die Bereitschaft der Südkoreaner Eingriffe in ihre Privatsphäre zuzulassen war ein Grund für diesen Erfolg. Der andere – auch das muss gesagt werden – war der massive Einsatz von Überwachungskameras und Virus-Tests. Während hierzulande nur bei Symptomen getestet wird, testet Südkorea so oft wie möglich. Schätzungen gehen von bereits 150.000 Tests aus.

Deutsche lieben Datenschutz

Ob das auf Deutschland übertragbar wäre? Wohl kaum! Die deutschen Datenschützer sind skeptisch – immerhin geht es um hochsensible Daten. Und dann kommt die traditionelle Skepsis der Bundesbürger gegenüber groß angelegter Datensammelei hinzu.

Dabei genügt ein Blick auf unser Smartphone, um zu erkennen, dass wir schon weitaus gläserner sind, als uns eigentlich lieb sein kann. Wie z.B. kommt es, dass Google mit Google Maps eine ebenso präzise wie kostenlose Echtzeit-Navigation anbieten kann? Der US-Konzern ortet Android-Geräte und wo besonders viele geortete Geräte hintereinanderstehen, wird ein Stau errechnet.

Daten gegen kostenlose Dienste

Um es klar zu sagen: Wir zahlen mit unseren Daten, um Services von Google, aber auch von Apple, Facebook und anderen Anbietern möglichst kostenlos nutzen zu können. Wer das nicht möchte, sollte sein Smartphone so wenig wie möglich nutzen oder zumindest GPS- und Internet-Verbindung so oft wie möglich inaktiv lassen. Bei der Mafia weiß man das schon lange und greift gern auf alte Nokia-Knochen zurück, mit denen man nur telefonieren und simsen kann, wenn besonders heikle Geschäfte abgewickelt werden sollen.

Aber, mal ehrlich, wer möchte auf die Vorzüge seines Smartphones freiwillig verzichten? Die Bequemlichkeit und Angst die neuesten WhatsApp-Nachrichten zu verpassen ist doch viel zu groß. Auch ich muss gestehen: Ich bin – frei nach dem WDR-Kinderchor – eine „Daten-Sau“, bis auf die Schlafenszeit eigentlich immer online und nutze zu allem Überfluss den Chrome-Browser nicht nur auf meinem Android-Smartphone, sondern auch noch auf meinem Laptop.

Vorsicht, Spyware!

Mit der Datensammelei von Google und Facebook kann ich gut leben, weil ich im Gegenzug praktische und eben kostenlose Dienste erhalte. Anders sieht es bei der Spyware-App aus, die ich vor einigen Wochen auf meinem Smartphone entdeckte.

Spätestens, wenn Apps nicht mehr reibungslos funktionieren, die sonst immer brav ihren Dienst getan haben, sollte man misstrauisch werden. Bleiben Facebook, WhatsApp oder das eine oder andere Spiel immer wieder hängen, könnten im Hintergrund Daten übermittelt werden und ein Zurücksetzen des Smartphones empfehlenswert sein.

Tabula rasa gegen die Spione

Man transferiert Daten aus dem internen Speicher des Smartphones wie z.B. Fotos und Videos auf den Rechner, eine externe Festplatte oder – ganz modern – in die Cloud. Dann startet man den Prozess des Zurücksetzens, in den meisten Betriebssystem-Versionen als Menüpunkt „auf Werkszustand zurücksetzen“ zu finden.

Normalerweise dauert es nur wenige Minuten, bis man Benutzername und Passwort wieder eingeben kann. Spyware kann sich allerdings als unverfängliche App wie z.B. als Font Manager oder neuerdings sogar als Corona-live-App tarnen. Besonders garstige Spionage-Programme versuchen sogar aktiv die eigene Löschung zu verhindern. So dauert der Prozess des Zurücksetzens dann eben länger.

Alles auf Anfang

Wenn die virtuelle Keule auch den letzten Rest an Spyware zerschlagen hat, muss man natürlich seine Lieblings-Apps wieder neu installieren und in den meisten Fällen auch ein paar Software-Updates durchführen. Ja, es ist zeitraubend und nervig, aber es hilft. In der Regel wird Ihr Smartphone nach der Rosskur sogar wieder schneller laufen.

Ob ich künftig aber auch eine Corona-App made by Google and Apple herunterladen werde? Ich glaube es nicht. Die Maske im Gesicht, das Abstandhalten im öffentlichen Raum und die Unterstützung von Risikogruppen scheinen mir die besten Waffen im Kampf gegen das Virus zu sein. Schließlich ist die Infektion am besten, die gar nicht erst entsteht.

 

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