WhatsApp: Umstrittene Einschränkungen für User

18.05.2021 Der Ärger um die neuen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Instant-Messaging-Dienstes WhatsApp reißt nicht ab. Erst einmal sind einige umstrittene Einschränkungen für User auf Eis gelegt, aber mehr als eine Schonfrist ist das nicht.

Drei Schritte vor, drei Schritte zurück

Die neuen Datenschutzbestimmungen von WhatsApp bedeuten, dass Nutzer ihre Daten mit der Muttergesellschaft Facebook teilen müssen. Unter anderen werden so Telefonnummern oder Informationen zum Nutzungsverhalten abgeschöpft, die dann Unternehmen als Facebook-Kunden zu Marketing-Zwecken nutzen können. In der Europäischen Union, die für ihren strengen Datenschutz bekannt ist, wird es indes keine erweiterte Datenweiterleitung an Facebook geben.

Um zu erreichen, dass WhatsApp-Nutzer den neuen AGBs zustimmen, hatten die Entwickler erst einmal ein drastisches Vorgehen angekündigt. Für User, die sich den neuen AGBs verweigerten, sollte der Support durch WhatsApp komplett abgeschaltet werden. Dann ruderte die Facebook-Tochter zurück und wollte nur noch einige Funktionen einschränken. Schließlich ging WhatsApp noch einen Schritt zurück. Bis der Funktionsumfang des Instant-Messaging-Dienstes begrenzt wird, wird den Usern noch einige Bedenkzeit gewährt.

Schonfrist läuft

Die Schonfrist läuft seit 15. Mai. WhatsApp setzt offensichtlich darauf wie das sprichwörtliche Wasser den Stein zu höhlen, bis dieser bricht. Die Facebook-Tochter betonte, dass die User immer wieder daran erinnert werden, dass sie den neuen AGBs zustimmen müssten. Außerdem sollen sukzessive Features deaktiviert werden. Beispielsweise können unwillige WhatsApp-Nutzer irgendwann nicht mehr auf ihre Chat-Liste zugreifen. Es soll jedoch zumindest noch ein paar Wochen lang möglich sein, Nachrichten und Anrufe zu empfangen.

„Nach ein paar Wochen eingeschränkter Funktionalität“ werden die Daumenschrauben jedoch fester angezogen. Nutzer, die den neuen WhatsApp-AGBs dann immer noch nicht zugestimmt hätten, werden laut WhatsApp keinen Hinweis mehr bekommen. Zudem sollen weder Nachrichten noch Anrufe bei ihnen ankommen.

Mehrheit hat zugestimmt

Das Unternehmen sieht sich auf einem guten Weg. Die Mehrheit habe die neuen AGBs bereits akzeptiert. Das ist zumindest in der EU auch nicht verwunderlich, denn EU-Bürger müssen um die Weiterleitung ihrer Daten zu Werbezwecken nicht fürchten. Anders sieht es außerhalb der EU aus, wo sich Nutzer auf eine Zunahme personalisierter Werbung einstellen müssen.

Bei Facebook selbst hat diese in den letzten Jahren ja schon beträchtlich zugenommen. Immer perfekter arbeiten die Algorithmen, die erahnen, welche Inhalte vorgeschlagen werden könnten. Das können direkte Werbe-Links sein, aber auch Artikel, die den Interessen des Nutzers entsprechen.

An der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Chats wird indes weltweit nicht gerüttelt. Unternehmen haben außerdem künftig die Möglichkeit Hosting-Dienste von Facebook zu verwenden, um WhatsApp-Chats mit ihren Kunden zu verwalten, Fragen zu beantworten und Infos wie Kaufbelege zu senden. Nach Angaben des Instant-Messaging-Dienstes sollen diese Vorgänge aber eindeutig gekennzeichnet werden.

Bedenken von Datenschützern

Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar will trotzdem per Anordnung sicherstellten, dass auch nach der Änderung der WhatsApp-Regeln keine Daten des Chat-Dienstes von der Konzernmutter Facebook genutzt werden können. Ihm passt auch nicht, dass die Bestimmungen zur Datenweitergabe auf unterschiedlichen Ebenen der Datenschutzerklärung verstreut sind. Sie seien deshalb unklar und in ihrer europäischen und internationalen Version schwer auseinanderzuhalten. Zudem seien sie missverständlich und wiesen erhebliche Widersprüche auf.

Der Datenschutzbeauftragte der Hansestadt kann zwar nur für einen Zeitraum von drei Monaten eine Anordnung erlassen, weil in der EU generell die irische Datenschutz-Behörde für Facebook zuständig ist. Caspar will aber in dieser Zeit den Europäischen Datenschutzausschuss (EDSA) einschalten, um eine Entscheidung auf europäischer Ebene herbeizuführen.

Treu bleiben oder wechseln?

Es liegt die Vermutung nahe, dass WhatsApp aufgrund des anhaltenden Ärgers weiter Kunden verlieren wird – allerdings in erster Linie außerhalb der EU, wo im Verhältnis besonders verbraucherfreundliche Datenschutzregeln gelten. Nutznießer sind alternative Instant-Messaging-Dienste wie Skype, Signal, Threema, Telegram oder Wire, die sich schon seit Bekanntgabe der neuen AGBs im Januar über steigende Nutzerzahlen freuen.

Ob Sie WhatsApp treu bleiben, hängt im Wesentlichen davon ab, wo Ihre bevorzugten Chat-Partner sitzen. Schreibt man öfter dem Onkel in den USA, kann es sein, dass auch die eigenen Daten zu Werbezwecken verwendet werden. Schickt man hingegen Fotos nach Pinneberg oder Paris, garantiert die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ein großes Maß an Datensicherheit.

Nichtsdestotrotz sollten Sie einen Blick auf Alternativen werfen. Skype ist in Deutschland hinter WhatsApp und Facebook Messenger die Nummer 3. Das liegt natürlich daran, dass der Microsoft-Dienst sich über viele Jahre etablieren konnte. Auch Konkurrent Telegram kommt als Nummer 4 hierzulande in Betracht. Am besten installieren Sie beide Apps auf Ihrem Smartphone und schauen nach der Registrierung, wie viele ihrer Kontakte den einen oder anderen Instant-Messaging-Dienst nutzen.

© Tom Meyer

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